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Manfred Sterz (Scheyern) und Jens Machold (Wolnzach) wurden abgesägt. In Ernsgaden feiert Karl Huber ein Comeback. Eine Nachlese zu den 17 Rathaus-Chef-Wahlen vom Sonntag.

(ty) Für einige Überraschungen haben, wie bereits berichtet, am vergangenen Sonntag die insgesamt 17 Bürgermeister-Wahlen im Landkreis Pfaffenhofen gesorgt. So bekamen zwei langjährige Gemeinde-Oberhäupter regelrecht den Laufpass und müssen demnächst ihren Posten räumen. Zwei schon in die Jahre gekommene Kommunalpolitiker und Ex-Bürgermeister kamen zu neuen Ehren. Den einen betraute man – nach sechsjähriger Pause – direkt wieder mit dem Posten des Rathaus-Chefs. Der andere, noch deutlich älter, schaffte es in die Stichwahl und darf somit auf ein Comeback hoffen. Jedenfalls sind diese und weitere Vorgänge so bemerkenswert, dass sich ein weiterer Blick darauf lohnt. Wir fassen zusammen.

Pfaffenhofen: Von wegen Wechsel-Stimmung in der Kreisstadt? Der seit 2008 amtierende Bürgermeister Thomas Herker (SPD), der auch für die Grünen antritt, setzte gegen – wohlgemerkt – fünf zum Teil sehr namhafte Kontrahenten mit einem Ergebnis von satten 49 Prozent schon mal ein Ausrufe-Zeichen und schrammte nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Damit dürfte Herker relativ entspannt gegen Markus Hartmann (CSU/JU), der mit 26,2 Prozent Vorlauf-Zweiter wurde, in die Stichwahl gehen und einer vierten Amtsperiode entgegenblicken.

Rohrbach: Dass Christian Keck (SPD) ein Kämpfer-Herz besitzt, hat er schon einmal eindrucksvoll bewiesen, als es ihm gelungen war, eine Lymphdrüsen-Krebs-Erkrankung zu besiegen. Er musste sein Amt als Bürgermeister zeitweise ruhen lassen, ist aber auf den Chef-Sessel im Rohrbacher Rathaus zurückgekehrt. Nun hat er auch einen wichtigen politischen Kampf gewonnen. Mit Zwei-Drittel-Mehrheit wehrte er die Ambitionen seiner Herausforderers Tobias Schmitz (FW) ab, ihn als Gemeinde-Oberhaupt zu beerben. Keck bleibt Gemeinde-Chef.

Einen Denkzettel verpasst bekommen hat, trotz seiner Wiederwahl, Helmut Bergwinkel.

Pörnbach und Ilmmünster: Dass Helmut Bergwinkel von der "Fortschrittlichen Unabhängigen Wähler-Gemeinschaft" (FUW) sein Amt mit 77,2 Prozent der abgegebenen Stimmen ein zweites Mal verteidigt hat, hört sich eigentlich gut an. Doch hinter dem Ergebnis steckt eine Botschaft, die sich nicht einfach wegwischen lässt: Bergwinkel hatte zwar offiziell keinen Gegen-Kandidaten, doch gibt es gegen ihn offenkundig eine gehörige Opposition in der Gemeinde. Denn bemerkenswerte 22,8 Prozent der Stimmzettel waren mit dem Namen einer anderen Person versehen, die die Schreiber lieber in der Position des Rathaus-Chefs sehen würden. Dem Amtskollegen Georg Ott (CSU) aus Ilmmünster blieb offizielle Konkurrenz ebenfalls erspart. Allerdings haben auch ihm neben fast 86 Prozent Unterstützern gut 14 Prozent der Bürger, die zur Wahl gegangen waren, bekundet, dass er es ihnen nicht recht macht.

Reichertshofen: Als ziemlich souverän lässt sich der Sieg von Michael Franken (JWU) bezeichnen. Die 33,5 Prozent seiner Widersacherin Petra Biberger (SPD) sind beileibe kein Pappenstiel, doch eine deutliche Mehrheit der Reichertshofener steht, wie Frankens stattliches Ergebnis von 66,5 Prozent beweist, hinter dem aktuellen Bürgermeister, der nun schon in die vierte Amtsperiode gehen darf.

Gerolsbach: Das nennt sich wohl eisernes Durchhalte-Vermögen. Drei Mal schon hat Stefan Mauer von den "Unabhängigen Bürgern" in Gerolsbach versucht, bei der Bürgermeister-Wahl vor Martin Seitz (CSU) zu landen – drei Mal ist er gescheitert. Wie lange die Dauer-Fehde zwischen den beiden noch andauern wird, steht in den Sternen. Doch die Gerolsbacher ließen am Sonntag überhaupt keinen Zweifel aufkommen und dokumentierten mit beachtlichen 82,8 Prozent der Stimmen: Wir wollen weiterhin Martin Seitz als Gemeinde-Oberhaupt.

Geisenfeld: Ebenfalls den Wunsch nach Kontinuität an der Rathaus-Spitze bekundete am Sonntag eine große Mehrheit der Geisenfelder und schenkte dem seit dem Jahr 2020 fungierenden Bürgermeister Paul Weber von den "Unabhängigen Sozialen Bürgern" (USB) mit 71,5 Prozent der abgegebenen Stimmen abermals das Vertrauen. Seine beiden Kontrahenten Hans-Jürgen Huber von den Freien Wählern und Felicia Stolfig von den Grünen hatten jeweils klar das Nachsehen.

Großes Comeback: Karl Huber setzte sich in Ernsgaden gegen Silvia Hartmann durch.

Ernsgaden: An das alte Sprichwort "Alte Besen kehren gut" erinnerten sich gut 59 Prozent der Ernsgadener, die am Sonntag an die Urnen gegangen waren. Ihr Kreuzchen machten sie bei Karl Huber, den die neue Gruppierung "Ernsgaden Miteinander" und die Freien Wähler (FW) gemeinsam ins Rennen um die Nachfolge des amtierenden Bürgermeisters Hubert Attenberger schickten. Die örtliche CSU hatte Attenberger gar nicht mehr nominiert, sondern sich intern für Silvia Hartmann als neue Hoffnungsträgerin entschieden. Diese Rechnung ging aber nicht auf. Denn der 69-jährige Huber, der von 1996 bis 2020 schon als Rathaus-Chef fungierte und aktuell Vize-Landrat ist, setzte sich klar gegen die Rechtsanwältin durch. Was für ein Comeback!

Schweitenkirchen: Angestoßen haben auf seinen Erfolg dürfte auch Josef Heigenhauser, der mit 54,3 Prozent wiedergewählte Rathaus-Chef von Schweitenkirchen. Sein Amt verteidigte er gleich im ersten Durchgang gegen Baris Basaran ("Bürgerblock Schweitenkirchen") sowie Heidi Grund-Thorpe, die als gemeinsame Bewerberin von "Bündnis Fortschritt Schweitenkirchen", SPD und Grüne angetreten war.

Manching: Wer kommt nach Bürgermeister Herbert Nerb (FW), der wegen gesundheitlicher Einschränkungen freiwillig seinen Sessel räumt? So ganz klar haben sich die Manchinger noch nicht entschieden. Entweder wirds in der Stichwahl Klaus Neumayr (CSU), der mit 29,8 Prozent als Erster eines Fünfkampfs durchs Zwischenziel ging, oder Adolf Engel (FW), der im ersten Durchgang als Zweiter 24,4 Prozent der Stimmen holte. Zu hoffen ist, das in der Stichwahl mehr Stimmberechtigte zur Wahl gehen als die diesmal enttäuschenden 57,2 Prozent.

Münchsmünster: Mit reichlich Vertrauens-Vorschuss ausgestattet haben die Münchsmünsterer ihren neuen Bürgermeister Wolfang Reichart von der "Christlichen Wähler-Gemeinschaft" (CWG). Im Dreikampf um die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden Amtsinhabers Andreas Meyer, ebenfalls CWG, holte Reichart auf Anhieb stolze 69,5 Prozent und damit ganz klar die absolute Mehrheit. Damit blieb ihm eine Stichwahl erspart.

Knallhart abgewählt wurde Jens Machold in Wolnzach.

Wolnzach: Für Jens Machold (CSU) muss es sich angefühlt haben wie eine saftige Watschn. Nach 18 Jahren als Bürgermeister erntete er am Sonntag gerade mal 17 Prozent der Stimmen: Die Bürger haben ihn aus dem Amt gejagt. Überraschung Nummer zwei ist, dass unter den beiden Männern, die sich im Fünfkampf um das Amt des Rathaus-Chefs für die Stichwahl qualifiziert haben, ein alter Haudegen ist, den viele schon abseits der politischen Bildfläche wähnten: der bereits 79 Lenze zählende Josef Schäch, ehemaliger Bürgermeister von Wolnzach und früherer Landrat von Pfaffenhofen. Man darf gespannt sein, ob sich die Bürger am 22. März für ihn oder den beim ersten Wahlgang bestplatzieren Simon Zimmermann (FW) entscheiden.

Hettenshausen: Gegen einen Wechsel an der Rathaus-Spitze hat man sich dagegen in der Gemeinde Hettenshausen ausgesprochen – nach einem Schlagabtausch zwischen zwei einstigen politischen Weggefährten, die mittlerweile zu Gegner geworden sind. Andreas Carmanns von der neu gegründeten Gruppierung "Miteinander für Hettenshausen" (MfH) war angetreten, um Wolfgang Hagl von der "Unabhängigen Wähler-Gemeinschaft" (UWG) nach sechs Jahren aus dem Bürgermeister-Amt zu hieven. Der Versuch scheiterte: Auf Carmanns entfielen nur 41,4 Prozent der Stimmen, auf Hagl 58,6 Prozent.

Vohburg: Das Kunststück, aus einem Quartett von Bürgermeister-Kandidaten heraus gleich eine Entscheidung zu seinen Gunsten herbeizuführen, ist Andreas Amann in Vohburg gelungen. Offenbar hält man in der Stadt große Stücke auf den Diplom-Verwaltungswirt von "Aktive Vohburger", denn er ließ mit 55,8 Prozent und damit der absoluten Mehrheit auf Anhieb alle seine drei Konkurrenten hinter sich. Amann wird den Platz von Martin Schmid (SPD) einnehmen, der sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl gestellt hatte.

Baar-Ebenhausen: Für die Christsozialen bleibt die Gemeinde eine Bank. Rund 17 Jahre lang hatte Ludwig Wayand als Bürgermeister mit CSU-Parteibuch die Geschicke von Baar-Ebenhausen gelenkt, jetzt folgt ihm mit Franz Sedlmeier einer aus demselben politischen Stall nach – und das mit beeindruckendem Ergebnis. Mit 81,1 Prozent landete er einen haushohen Sieg gegen Brigitta Winkelmann von den Grünen.

Erst von den Freien Wählern nicht mehr nominiert, dann von den Bürgern klar abgewählt: Manfred Sterz.

Scheyern: Ein rabenschwarzer Tag war der Wahl-Sonntag für Scheyerns noch amtierenden und bei den örtlichen Freien Wählern, seiner Hausmacht, in Ungnade gefallenen Bürgermeister Manfred Sterz. Sein Plan, mit den neu gegründeten "Unabhängigen Bürgern" im Rücken trotzdem weiterzumachen zu können, wurde von den Wählern jäh durchkreuzt. Mit enttäuschenden 18 Prozent der Stimmen wurde Sterz regelrecht abgesägt – denn das reichte nicht einmal für den Einzug in die Stichwahl. In dieser werden nun Johannes Baumeister (CSU/Bürgerblock) und der derzeitige Dritte Bürgermeister Andreas Mahl (FW) um den Chef-Posten in der Kommune ringen.

Hohenwart: Zufrieden zurücklehnen darf sich dagegen das Hohenwarter Gemeinde-Oberhaupt Jürgen Haindl (FW). "Attacke abgewehrt", hieß es für ihn am Sonntag. Denn der Versuch der örtlichen CSU, ihn mit ihrem Kandidaten Dominik Priller aus dem Amt zu drängen, scheiterte klar. Die zu Buche stehenden 63,9 Prozent für Haindl sprechen eine eindeutige Sprache. Er darf sechs Jahre weitermachen. 

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