In 24 Jahren als Rathaus-Chef hat Andreas Meyer (CWG) in Münchsmünster viel bewegt. Für den Hochwasserschutz will er sich auch im Ruhestand engagieren.
(ty) Der Hollerhof als regional bedeutsame Inklusions-Einrichtung, die hohe Zahl an Arbeitsplätzen im Ort, die insgesamt gute Infrastruktur – vieles, was Münchsmünster heute ausmacht, trägt auch seine Handschrift: Andreas Meyer (CWG) hat 24 Jahre lang als Bürgermeister die Entwicklung der finanzstarken Industrie-Gemeinde im Norden des Landkreises Pfaffenhofen geprägt. Jetzt geht er im Alter von 66 Jahren in den Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Meyer zurück auf eine "schöne, aber auch herausfordernde Tätigkeit". Ihm habe es großen Spaß gemacht, zum Wohle der in der Gemeinde lebenden Menschen etwas bewegen zu können. Kommunalpolitik habe ihn schon als jungen Burschen interessiert. Dankbar könne er von sich sagen, dass sein Hobby zugleich sein Beruf gewesen sei.
Als sehr positiv habe er trotz manchmal unterschiedlicher Auffassungen das starke Miteinander im Gemeinderat empfunden, sagt der scheidende Rathaus-Chef, der aktuell der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Pfaffenhofen ist. So sei es gelungen, Ortspolitik auf Augenhöhe zu machen. Fast alle Beschlüsse im Gremium habe man einstimmig gefasst. Besonders stolz ist Meyer nach eigenem Bekunden darauf, dass es bei allen 24 in seiner Bürgermeister-Zeit verabschiedeten Haushalten jeweils keine Gegenstimme gegeben habe.
In sein Lob schließt er auch "die tollen Mitarbeiter in der Verwaltung" ein, ohne die die zig Millionen Euro schweren Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten nicht möglich gewesen wären. Dank potenter Industrie- und Gewerbe-Betriebe sei Münchsmünster über Jahre die im Verhältnis zur Einwohner-Zahl steuerkräftigste Kommune im hiesigen Landkreis gewesen, berichtet er.
Das Kanalnetz fast komplett saniert, die Kläranlage erweitert, ein neues Rathaus und ein modernes Feuerwehrhaus gebaut, dazu Kindergarten und Kinderkrippe, die Schule zwei Mal renoviert, neue Straßen gebaut, sämtliche Gemeinde-Brücken saniert beziehungsweise neu errichtet – die Liste der während seiner Amtszeit realisierten Projekte ist lang. Trotz immenser Investitionen sei Münchsmünster Ende vergangenen Jahres schuldenfrei gewesen, so Meyer. Den aktuellen Etat habe man ohne Kredit-Aufnahme beschlossen. Zudem verfüge die Kommune über ein, wie das Gemeinde-Oberhaupt sagt, "schöne Rücklage" und nenne gut 30 voll erschlossene Baugrundstücke sowie mehr als 100 000 Quadratmeter Bauerwartungsland ihr Eigen.
Die Förderung der Vereine sowie vor allem deren Jugendarbeit sei ihm immer ein wichtiges Anliegen gewesen, sagt Meyer. In seiner letzten Sitzung habe der "alte" Gemeinderat noch Investitionen und Zuschüsse für örtliche Vereine in Höhe von rund 270 000 Euro abgesegnet. Aufgrund gut sprudelnder Steuerquellen habe man in der Vergangenheit etliche große Projekte stemmen können, blickt der Rathaus-Chef zurück. Es habe Zeiten gegeben, in denen der Gemeinde bis zu 18 Millionen Euro über die Gewerbesteuer zugeflossen seien.

Dafür habe man aber auch mal fast acht Millionen Euro als Kreis-Umlage abgeführt. Doch es hat nach seinen Angaben auch andere Zeiten gegeben. Angefangen habe er im Jahre 2002 mit Gewerbesteuer-Einnahmen in Höhe von lediglich 100 000 Euro. "Ich kenne die Aufs und Abs aus dem Effeff", betont der CWG-Politiker und fügt hinzu: "Optimismus und Glück gehören in meinem Beruf dazu."
In der ehemals ländlich geprägten Gemeinde, die in den 1970er-Jahren rund 2000 Einwohner gezählt hatte, leben laut Meyer gegenwärtig rund 3300 Menschen. Dem stünden fest genauso viele Arbeitsplätze gegenüber. Was ihn besonders freut: Im Ort gebe es aktuell gerade mal rund 40 Jobsuchende. "Mit einem Alters-Durchschnitt um die 40 Jahre sind wir eine relativ junge Kommune", berichtet der Bürgermeister. Industrie und Gewerbe prägen mit einer Ausdehnung auf etwa ein Drittel der nur rund 15,7 Quadratkilometer großen Gemeinde-Fläche das Bild in Münchsmünster. Manchem gefalle das vielleicht nicht, "aber wir leben mit der Industrie", sagt Meyer.
Zu den größten Erfolgen während seiner Amtszeit zählt er das Baugebiet "Münchsmünster-Ost". Mit dem Hollerhof sei dort ein in der Region einzigartiges Zentrum mit Therapie-Einrichtungen, Arbeitsstätten und Wohnungen für schwerbehinderte Menschen entstanden. "Inklusion wird in Münchsmünster großgeschrieben", betont der Bürgermeister. Das Miteinander werde von der Bevölkerung nicht nur propagiert, sondern tatsächlich gelebt. Die örtliche Grundschule sei auch die erste Inklusions-Schule im Landkreis Pfaffenhofen gewesen.
Was er künftig mit seiner Freizeit anfangen will, weiß Andreas Meyer nach eigenen Worten noch gar nicht so recht. Jedenfalls wird er nun zum Monats-Ende seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Wolfgang Reichart (CWG) abgeben. Der Verwaltungs-Fachangestellte hatte sich, wie berichtet, am 8. März gleich im ersten Wahlgang mit 69,5 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich gegen seine beiden Konkurrenten Sebastian Krückl (SPD / Unabhängige Wähler) und Georg Kreis (CSU) durchgesetzt, die auf 19,0 beziehungsweise 11,5 Prozent kamen.
Für einen Ratsch mit Ortsbewohnern wird Meyer auch in Zukunft gerne zu haben sein, wenn er mit seinem Drahtesel durch die Gemeinde fährt. Und vermutlich wird er auch wieder öfter mit dem Motorrad unterwegs sein. Aus der aktiven Politik werde er sich heraushalten, prophezeit er. Aber ein Thema sei ihm so wichtig, dass es ihn drängt, sich weiter zum Wohle der Gemeinde zu engagieren. Dass der Freistaat weiter an einer großen Polder-Lösung als Hochwasserschutz festhält, ärgert ihn sehr.
"Das ist ein Unding, was da geplant wird", lautet seine Einschätzung. Statt Millionen für Grundstücks-Käufe und Hunderttausende für immer neue Gutachten auszugeben, müsse man den Kommunen mit Sofort-Maßnahmen unter die Arme greifen, um Retentions-Flächen für die Oberflächen-Entwässerung zu schaffen. Für diese kleinen Lösungen kämpfe er seit 24 Jahren. Und davon werde er auch in Zukunft nicht ablassen.
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