Bedürftige und Kunden mit Sinn für Nachhaltigkeit können hier nun an fünf Tagen pro Woche einkaufen. Gut 20 Ehrenamtliche betreiben diesen Laden. Weitere Einrichtungen dieser Art gibt es in Pfaffenhofen und Manching.
(ty) Jeder kennt das Bedürfnis: Nach Jahren muss was Neues her. Aber wohin mit den Gebrauchs-Artikeln, die eigentlich zu schade sind, um sie wegzuwerfen? Die Arbeiter-Wohlfahrt (AWO) im Landkreis Pfaffenhofen hat eine praktische und zugleich ressourcen-schonende Antwort darauf. In drei von ihr betriebenen Märkten in Pfaffenhofen, Wolnzach und Manching nimmt sie gut erhaltene Waren des täglichen Bedarfs entgegen und verkauft sie für kleines Geld an Menschen, die sich entweder keine neuen Sachen leisten können oder sich der Nachhaltigkeit wegen bewusst für Gebrauchtes entscheiden. Am Standort in Wolnzach hat man sich dafür entschieden, das Sozial-Kaufhaus nun an fünf statt bisher vier Tagen die Woche zu öffnen: Neu dazu gekommen ist der Donnerstagnachmittag.
"Der Bedarf ist da", sagt Rainer Bergmann, einer von mehr als 20 Ehrenamtlichen, die sich im "AWO-Markt Hallertau" in Wolnzach engagieren, im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die schlechte wirtschaftliche Lage mit einer wachsenden Zahl von Menschen, die angesichts der Verteuerungen in allen Lebens-Bereichen mit ihrem Geld kaum noch über die Runden kommen, bildet sich natürlich auch bei uns ab." Doch darauf will er die Klientel der AWO-Märkte nicht reduziert wissen. Genauso gebe es mehr und mehr Kunden, die auf Nachhaltigkeit bedacht seien und sich bewusst für gebrauchte Gegenstände entscheiden, so Bergmann.

Seit er im Ruhestand ist, bringt sich der Ingenieur im AWO-Team in Wolnzach ein. Nun habe er Zeit, die er auch nutzen möchte, um sich sozial zu engagieren. Die Tätigkeit bei der AWO sei sinnstiftend und mache ihm viel Freude. "Wir bekommen sehr viel positives Feedback", erzählt er. "Man spürt, dass die Leute froh und dankbar sind, wenn sie bei uns für einen geringen Preis etwas Schönes oder Nützliches für den Alltag gefunden haben." Menschen, die Nachhaltigkeit unterstützen und leben, fühle man sich genauso verpflichtet wie Leuten mit wenig Geld, betont er.
Bergmann berichtet von einer sehr breit gefächerten Kundschaft. "Alle Alters-Gruppen kommen zu uns und das Publikum ist international", so seine Beobachtung für den Markt in Wolnzach. Unter den Kunden seien auch Flüchtlinge, beispielsweise aus Syrien, der Ukraine oder aus afrikanischen Staaten, aber auch EU-Bürger, etwa aus Rumänien oder Bulgarien. Zu den Einkäufen kommen laut Bergmann nicht nur in Wolnzach lebende Menschen; viele reisen aus Rohrbach, Geisenfeld, Pfaffenhofen oder Mainburg an.
Und so funktionieren die drei AWO-Märkte in der Hallertau: Einen Abhol-Service gibt es nicht. Die Spender liefern ihre Waren zu den Öffnungszeiten selbst an. Von den Ehrenamtlichen werden sie dann sortiert, gegebenenfalls aufgebaut – zum Beispiel Betten oder Schränke – und entsprechend ausgezeichnet. "Wir nehmen alles außer Bücher und Kleider an", sagt Rainer Bergmann. Das Angebot ist groß. Im größten der drei Verkaufs-Räume gibt es vor allem Möbel, Geschirr, Dekorations-Artikel, Fahrräder, Koffer und Kinderspielzeug, aber auch Schallplatten und CDs.

Ein kleinerer Raum ist Elektro-Artikeln vorbehalten, in einem dritten werden Dinge wie Vorhänge, Bettbezüge oder Büro-Artikel feilgeboten. Die Preise hängen von Zustand der Artikel aber, sich aber grundsätzlich viel niedriger als in üblichen Geschäften. "Dank vieler Spenden haben wir durchgehend einen guten Bestand an Waren", freut sich Bergmann. "Und auf Lager haben wir auch ein bisschen was." Im Gegensatz beispielsweise zu "Tafel"-Einrichtungen müsse für einen Einkauf in einem AWO-Markt keiner seine Bedürftigkeit nachweisen. "Zu uns kann jeder kommen", betont Bergmann.
Alle Helfer sind ehrenamtlich tätig. Die Einnahmen fließen in andere Sozial-Projekte der Arbeiter-Wohlfahrt. Die Wolnzacher spenden das Geld zum Beispiel an die "Stadtküche" in Pfaffenhofen, wo es Mittagessen für kleines Geld gibt, und an die in Rohrbach ansässige Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien.
Die AWO-Läden im Kreis Pfaffenhofen
♦ Der AWO-Markt Hallertau in Wolnzach befindet sich an der Ingolstädter Straße 7a. Die neuen Öffnungs-Zeiten sind: dienstags und samstags von 9 Uhr bis 12 Uhr sowie mittwochs, donnerstags und freitags jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr.
♦ Der AWO-Laden an der Ingolstädter Straße 18 in Manching ist zu folgenden Zeiten geöffnet: am Dienstag von 9.30 Uhr bis 13 Uhr, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils von 14 Uhr bis 18 Uhr sowie am Samstag von 9.30 Uhr bis 13 Uhr.
♦ Für den AWO-Laden in Pfaffenhofen (Bürgermeister-Stocker-Straße 2) gelten diese Öffnungs-Zeiten: dienstags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags jeweils von 14 Uhr bis 18 Uhr sowie samstags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr.





