Bezahlbarer Wohnraum, starke Bürger-Energie und regionale Agrar-Produkte sind für den SPD-Landrats-Kandidaten Markus Käser die zentralen Handlungsfelder.
(ty) Weniger am Tropf anderer hängen und stattdessen die lokalen Werte schöpfen – so möchte Markus Käser den Kreis Pfaffenhofen zukunftsfähig machen, am liebsten an führender Stelle. Für die SPD tritt der 50-Jährige in einem siebenköpfigen Bewerberfeld an, um am 8. März zum Landrat gewählt zu werden. Seine Kandidatur richte sich nicht gegen einen Mitbewerber, hatte der Sozialdemokrat, wie berichtet, nach seiner Nominierung bekundet. Ihm gehe es vor allem darum, in vorderster Reihe drei zentrale Handlungsfelder in der öffentlichen Wahrnehmung zu platzieren: mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, eine starke Bürger-Energie etablieren und die Vermarktung regionaler Agrar-Produkte vorantreiben. Was es mit diesem vom ihm als "Heimat-Dividende" titulierten Dreiklang genau auf sich hat, erklärt Käser im Gespräch mit unserer Zeitung.
Sein politischen Wirken und damit verbunden auch seine berufliche Tätigkeit haben Markus Käser bekannt gemacht. Bereits ein Jahr nach seinen Eintritt in die SPD wurde er 2008 in den Pfaffenhofener Stadtrat und zum Vorsitzenden des Ortsvereins seiner Partei gewählt. Wiederum ein Jahr später betrauten ihn die Sozialdemokraten mit dem Posten des Kreisvorsitzenden, den er bis heute innehat. Seit 2014 gehört Käser dem Pfaffenhofener Kreistag an, wo er inzwischen das Amt des SPD-Fraktionssprechers ausübt. Als selbstständiger Unternehmer und Kommunikations-Berater betreibt er einen Co-Working-Space. Er ist ledig und kinderlos. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im Vorstand der Wohnungsbau-Genossenschaft Pfaffenhofen (Wogeno) und als Co-Vorsitzender des Energie- und Solarvereins in Pfaffenhofen (ESV). Zudem ist er Mitglied im Energie-Beirat der bayerischen Staatsregierung.
"Müssen uns viel mehr den großen Zukunfts-Themen widmen"
Für den SPD-Mann steht außer Frage, dass alle sieben Personen, die für den Posten kandidieren – zwei Frauen und fünf Männer – die Alltags-Aufgaben, die das Amt des Landrats mit sich bringt, ordentlich erledigen können. Ihm gehe es vielmehr zuvorderst "um die Richtung, in die man den Landkreis führen will". Das sei der entscheidende Punkt, sozusagen, was einer "eine Flughöhe darüber" anstößt. "Wir müssen uns viel mehr den großen Zukunfts-Themen widmen", sagt der 50-Jährige. Als erstes kommt ihm da die Energie-Versorgung in den Sinn. Käser bezieht sich auf eine Wertschöpfungs-Studie, wonach für den Einkauf fossiler Brennstoffe jedes Jahr 275 Millionen Euroaus dem Kreis Pfaffenhofen abfließen. Pro Kopf sind das 3100 Euro.
Für ihn sei das "völliger Irrsinn", betont er, denn das Geld stecke man "vor allem Despoten- oder Wüsten-Staaten" in den Rachen. Zudem schädige man mit dem damit verbundenen CO2-Ausstoß die Umwelt. Das müsse man den Menschen immer wieder klar machen, fordert der Sozialdemokrat. Um möglichst viel von der genannten Summe in der Region zu halten, brauche es eine konsequente Energiewende, hin zu mehr Windrädern und Photovoltaik-Anlagen, an denen auch Bürger beteiligt seien. "Wir müssen die fossilen Brennstoffe aus dem System bekommen und dürfen nicht länger am Tropf von anderen hängen", sagt Käser und verweist darauf, dass es im Kreis Pfaffenhofen dafür schon gute Ansätze gebe. Doch brauche es dazu von viel mehr Nachdruck.
"Wohnungen nach Sozial-Prinzipien bauen"
Der Energie- und Solarverein von Pfaffenhofen sowie die Bürger-Energie-Genossenschaft im Landkreis (BEG) gingen auf diesem Weg bereits beispielhaft voraus. So habe etwa die Kreisstadt bilanziell bereits mehr als 100 Prozent saubere Strom-Versorgung erreicht. Konsequent angehen müsse man die Errichtung bezahlbarer Wohnungen, was für Käser die zweite Säule seiner "Heimat-Dividende" bildet. Rund 800 Wohnungen fehlten pro Jahr im Landkreis, darunter auch kleinere Einheiten. Die hohen Preise für Immobilien resultieren nach Analyse des Sozialdemokraten aus einem übersättigten Markt. Sein Ansatz: "Öffentliche Gemeinwohl-Projekte fördern und mindestens 30, eher 50 Prozent der Wohnungen nach Sozial-Prinzipien bauen."
Käser würde dazu den Wohnungsbau durch eine aktive Bodenpolitik "ganz aus der Spekulation herausnehmen". Nach seiner Rechnung ließe sich für Grundstücke und Baukosten damit ein Ersparnis von 30 bis 50 Prozent erreichen. Heute fließe viel zu viel Geld unnötigerweise in fremden Taschen, etwa in die von Spekulanten und Bauträgern. Der SPD-Mann will eine Bodenpolitik, die Grundstücke für die Menschen vor Ort sichert. Sein Plan ist ein "Bündnis für bezahlbares Bauen und eine Kreis-Baufirma, die unsere Gemeinden direkt unterstützt". Auf diese Weise hole man die Kontrolle über den Wohnungsmarkt in Bürgerhand zurück. Mit dem Bau von Azubi-Wohnungen solle sofort begonnen werden. Runter kommen möchte Käser auch bei den Verbrauchs-Kosten, der so genannten zweiten Miete. Da ist nach seiner Überzeugung eine Energie-Einsparung von rund 80 Prozent möglich.
"Haben zu viele Grund-Bedürfnisse nach außen verlagert"
Sein dritter Themen-Schwerpunkt ist die heimische Landwirtschaft. Der 50-Jährige verweist auf eine Erhebung, nach der im Landkreis Pfaffenhofen pro Jahr etwa 3,3 Millionen Euro für öffentliche Essen in Schulen, Kitas, Ganztags-Betreuung und Kantinen ausgegeben werden. Heruntergerechnet seien das rund 15 000 pro Tag. Laut einer Studie seien in den Speisen lediglich fünf Prozent regionale Rohstoffe enthalten. Käsers Ziel: Die Quote auf 50 Prozent erhöhen. Darin sieht Käser eine große Chance für die örtlichen Erzeuger und bringt gleich ein Beispiel: "Man könnte jeden Tag allein 3000 Kilogramm Kartoffeln aus heimischem Anbau in den Essen verarbeiten."
Käser plädiert in all den skizzierten Handlungs-Bereichen für ein Umdenken. "Wir haben zu viele Grund-Bedürfnisse nach außen verlagert", sagt er. Zum Wohle aller ließen sich regionale Wertschöpfungs-Ketten viel besser nutzen.
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