Der Seniorin wurden gleich mehrere Lügen-Geschichten aufgetischt. Am Ende übergab sie Geld und Wertsachen an einen vermeintlichen Polizisten.
(ty) Nach wie vor treiben Kriminelle in der gesamten Region mit betrügerischen Anrufen und verschiedensten Maschen ihr Unwesen, um arglose Menschen um Bargeld und Wertsachen zu bringen – und trotz aller Warnungen haben sie immer wieder Erfolg und kassieren mitunter kräftig ab. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord am heutigen Freitag berichtet, ist am vorgestrigen Mittwoch eine über 70 Jahre alte Frau aus Kranzberg (Kreis Freising) auf eine besonders perfide Lügen-Geschichte von Kriminellen hereingefallen. Am Ende übergab die Seniorin den Betrügern ihr Vermögen: Der Wert der Beute beträgt laut Polizei mehr als 140 000 Euro.
Gegen 14 Uhr war die Frau laut Polizei zunächst von einer unbekannten Täterin kontaktiert worden, die sich als Ärztin vom Klinikum in Großhadern ausgegeben habe. Diese habe vorgegaukelt, dass die Tochter der Rentnerin an Krebs im Endstadium erkrankt sei und dass eine Heilung durch eine neue, sehr teure Behandlung möglich sei. Dafür, so das Märchen weiter, müsse die Kranzbergerin fast 200 000 Euro vorab bezahlen. Die Seniorin habe der Anruferin mitgeteilt, dass sie zwar ein Schließfach besitze, eine solch hohe Summe jedoch nicht aufbringen könne. Als die Betrügerin sich auffällig nach Schmuck erkundigt habe, sei der Seniorin gedämmert, dass es sich um einen Betrug handeln könne. Sie habe das Telefonat beendet. Nun habe die Rentnerin versucht, bei der Polizeiinspektion in Freising anzurufen.
Aus noch nicht bekannten Gründen habe jedoch keine Verbindung aufgebaut werden können. Einige Minuten später habe sich ein weiterer Betrüger gemeldet, der sich als Beamter von der Polizei-Dienststelle in Freising ausgegeben habe. Dieser habe vorgegeben, dass organisierte Banden im Landkreis unterwegs seien. Die Kranzbergerin sollte den Angaben zufolge ihre Fenster und Türen geschlossen halten und auf weitere Anrufe dieser Kriminellen warten. Zudem sei der Seniorin vorgelogen worden, dass ihre Telefon-Leitung ab jetzt polizeilich überwacht werde. Im weiteren Verlauf sei der Anrufer auch auf das Schließfach der Seniorin zu sprechen gekommen. Er habe ihr geraten, das Geld und die Wertgegenstände, die sich darin befänden, von einem Polizisten abholen und in Sicherheit bringen zu lassen.
Kurz darauf habe ein angeblicher Hauptkommissar, "Herr Berg", an der Haustür der Kranzbergerin geklingelt. Er habe einen Dienst-Ausweis vorgezeigt und sei ohne ein Wort zu sagen wieder weggegangen. Wiederum einige Minuten später habe ein "Herr Krause" bei der Frau angerufen. Dieser habe die Rentnerin dazu aufgefordert, mit ihrem Auto zur Bank-Filiale nach Freising zu fahren und dort das Schließfach zu entleeren. "Während der Fahrt durfte sie ihr Handy nicht ausschalten", heißt es weiter. "Zudem wurde ihr vorgegaukelt, dass sie unter ständiger polizeilicher Beobachtung stehen würde." Den angeblichen Herrn Berg habe die Seniorin im Vorbeifahren in der Kirchbergstraße an einem größeren weißen Pkw mit ausländischem Kennzeichen stehen gesehen.
Gegen 16 Uhr sei die Frau vor dem Geldinstitut an der Münchener Straße angekommen. Sie sei hineingegangen und habe ihr Schließfach geleert. Während der Rückfahrt habe ihr der Anrufer vorgegaukelt, dass inzwischen schon zwei Tatverdächtige festgenommen worden seien. Ihnen – so die Lügen-Geschichte weiter – wäre auch das weiße Auto zuzuordnen, das die Frau zuvor gesehen hatte. Die Tatverdächtigen hätten einen Zettel bei sich gehabt, auf dem der Name und die Adresse der Kranzbergerin notiert gewesen seien. Der Betrüger forderte den Angaben zufolge dann die Frau dazu auf, den Inhalt des Schließfachs sowie den im Haus befindlichen Schmuck sowie weiteres Bargeld in einen mit Namen und Safe-Nummer beschrifteten Schuh-Karton zu packen und anschließend an den bereits bekannten "Herrn Berg" zu übergeben.
Die Seniorin habe sich darauf eingelassen. Gegen 18.30 Uhr habe sie den Karton mit Geld und Wertsachen im Gesamtwert von mehr als 140 000 Euro an den Abholer übergeben. Beschrieben werde dieser wie folgt: zirka 30 bis 40 Jahre alt; helle Haut; kurze bis mittellange, braune Haare; trug eine Art Jogging-Anzug; kein Bart; keine Brille. Wer verdächtige Wahrnehmungen im westlichen Bereich von Kranzberg gemacht hat oder sonstige Hinweise geben kann, möge sich unter der Rufnummer (0 81 22) 96 80 bei der Kriminalpolizei-Inspektion in Erding melden.
Präventions-Hinweise der Polizei:
- "Beenden Sie das Telefonat, wenn Sie nicht sicher sind, wer anruft und Sie sich unter Druck gesetzt fühlen.
- Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizei-Notruf-Nummer 110 an! Das machen nur Betrüger.
- Wenn Sie unsicher sind, wählen Sie die Nummer 110. Aber nutzen Sie dafür nicht die Rückruftaste!
- Rufen Sie den angeblich betroffenen Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an!
- Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
- Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen!
- Ziehen Sie eine Vertrauens-Person hinzu oder verständigen Sie über den Notruf 110 die Polizei!
- Sprechen Sie auch mit ihren Angehörigen über das Phänomen und warnen Sie sie vor dem Vorgehen der Täter!"





