Bayerischer Digital-Minister lobt bundesweites Leuchtturm-Projekt. Arbeits-Gemeinschaft vereint mittlerweile 28 Kommunen aus den Kreisen Pfaffenhofen, Neuburg-Schrobenhausen, Aichach-Friedberg und Landsberg am Lech.
(ty) Die "Arbeits-Gemeinschaft solidarischer Hochwasserschutz e.V." (Arge) hat gestern im Rahmen eines gemeinsamen Termins in Dasing (Kreis Aichach-Friedberg) den weiteren Ausbau ihres KI-gestützten Echtzeit-Frühwarn-Systems vorgestellt. Der bayerische Digital-Minister Fabian Mehring (FW) übergab den Vertretern der kommunalen Initiative dabei einen weiteren Zuwendungs-Bescheid seines Staatsministeriums in Höhe von 1 584 335 Euro. Diese Förderung wurde durch eine so genannte Fraktions-Initiative der Landtags-Abgeordneten Roland Weigert (FW) und Marina Jakob (FW) initiiert und von den Regierungs-Fraktionen der FW und der CSU unterstützt. Bereits im Januar war eine erste Förderung über 505 750 Euro bewilligt worden. Damit fließen insgesamt gut zwei Millionen Euro in den Aufbau eines digitalen Schutz-Systems gegen die Folgen von Extremwetter-Ereignissen.
Die Arge war – wie mehrfach berichtet – als Reaktion auf das Extrem-Hochwasser im Juni 2024 ins Leben gerufen und im vergangenen Jahr als Verein gegründet worden. Heute vereint sie 28 Kommunen aus den Landkreisen Pfaffenhofen, Neuburg-Schrobenhausen, Aichach-Friedberg und Landsberg am Lech, die über Bezirks-Grenzen hinweg gemeinsam Vorsorge gegen Hochwasser, Starkregen und Trockenheit betreiben. Mit moderner Sensorik, einem KI-gestützten Echtzeit-Frühwarn-System, digitaler Daten-Vernetzung und dezentralem Wasser-Rückhalt verfolgt die Arge einen solidarischen Ansatz, der die Einzugs-Gebiete von Paar und Ilm von der Quelle bis zur Mündung betrachtet. Ziel sei es, Gefahren früher zu erkennen, Einsatzkräfte und Bevölkerung rechtzeitig zu warnen, Schäden zu begrenzen sowie die Klima-Resilienz der Region nachhaltig zu stärken.
"Vorbild für ganz Bayern"
"Zu viel Wasser oder zu wenig Wasser – aufgrund des Klimawandels stellen beide Extreme die Kommunen in Bayern vor immer größere Herausforderungen", so der bayrische Digitalminister Mehring. Während aktuell Trockenheit und niedrige Bodenfeuchte im Fokus stünden, könnten Starkregen und Hochwasser innerhalb kürzester Zeit zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Umso wichtiger seien smarte Lösungen, die beide Extreme berücksichtigten, um die Menschen und ihr Hab und Gut bestmöglich zu schützen. Bei seinem Besuch in Dasing unterstrich Mehring am gestrigen Mittwoch die besondere Bedeutung des interkommunalen Arge-Projekts und betonte: "Die Arbeits-Gemeinschaft solidarischer Hochwasserschutz ist für mich ein Vorbild für ganz Bayern."
Die Initiative zeig laut Mehring eindrucksvoll, wie moderner Hochwasserschutz gelingt – interkommunal, vorausschauend, solidarisch und hochinnovativ. Deshalb unterstütze sein Ministerium die Arge nach Kräften mit digitalen Lösungen wie intelligenter Sensorik, KI-gestützten Frühwarn-Systemen und offenen Daten. Dadurch könnten Menschen, Kommunen und Einsatzkräfte frühzeitig, präzise und direkt gewarnt werden. Künstliche Intelligenz & Co. seien dabei kein Science-Fiction-Schreckgespenst aus der Zukunft mehr, sondern ein Lebensretter in der Gegenwart. "So geht moderner Hochwasserschutz: gemeinschaftlich gedacht und smart umgesetzt", so der Minister. "Was Dank der Arge an der Paar geschieht, ist damit ein deutschlandweites Leuchtturm-Projekt für innovativen Bevölkerungsschutz."
Aufbau startet jetzt offiziell
Andreas Wiesner (FW), Bürgermeister von Dasing und stellvertretender Arge-Vorsitzender, sagte: "Heute ist für die Arge und die gesamte Region ein besonderer Tag." Mit dem Förder-Bescheid starte man offiziell den Aufbau des KI-gestützten Echtzeit-Frühwarn-Systems. Sein Dank galt den Regierungs-Fraktionen und dem Landtag für die Bereitstellung der Fördermittel sowie Staatsminister Mehring für dessen engagierte Unterstützung. "Das Frühwarn-System wird Natur-Gefahren nicht verhindern. Aber es hilft uns, gefährliche Entwicklungen früher zu erkennen und wertvolle Zeit zu gewinnen", so Wiesner. "Damit erhöhen wir den Schutz für die Bevölkerung. Unsere Region wartet nicht auf die nächste Krise – sie handelt im Schulterschluss und bereitet sich zielgerichtet vor."
Im Mittelpunkt des Projekts steht laut bayerischem Digitalministerium der Aufbau eines KI-gestützten Frühwarn- und Prognose-Systems, das die Menschen im Einzugs-Gebiet von Paar und Ilm vor Hochwasser, Starkregen und Trockenheit warnt. An mehr als 150 Mess-Stationen werden den Angaben zufolge in Echtzeit Niederschlag, Wasserstände und Bodenfeuchte erfasst sowie die Daten automatisch online übertragen. Dadurch lasse sich nicht nur erkennen, wie viel Regen falle, sondern auch, wie aufnahmefähig die Böden seien und wie schnell Wasser in Bäche und Flüsse gelangen könne. Die gesammelten Daten werden – so heißt es weiter – mithilfe von KI und eines "Digitalen Zwillings" des Projekt-Gebiets zusammengeführt, verständlich aufbereitet und anschaulich visualisiert.
Mehr als 150 Online-Mess-Stationen
Aus einer großen Menge technischer Daten entstehe so ein zielgruppengerechtes Lagebild, das Kommunen, Feuerwehren und Katastrophenschutz-Behörden mit den Informationen versorge, die sie für ihre Aufgaben benötigten. "Durch das Zusammenspiel von mehr als 150 Online-Mess-Stationen, KI-gestützten Prognosen und dem Digitalen Zwilling wollen wir bei Starkregen Vorwarn-Zeiten von bis zu einer Stunde und bei Hochwasser von bis zu 24 Stunden erreichen", erklärt Professor Tobias Liepert, Fachexperte im Kernteam der Arge. "Zugleich helfen uns Bodenfeuchte-Daten, auch Trockenheits-Risiken frühzeitig zu erkennen." So entstehe über 28 Kommunen hinweg eine gemeinsame Daten-Grundlage für den Umgang mit beiden Wasser-Extremen – zu viel und zu wenig Wasser. "Damit zählt das Projekt zu den umfassendsten kommunal getragenen Frühwarn-Modellen dieser Art in Deutschland."
Die zusätzliche Förderung ermöglicht laut Digital-Ministerium die Ausweitung des ursprünglich geplanten Sensor-Netzes sowie die Weiterentwicklung des Prognose-Modells und des "Digitalen Zwillings". Dadurch könnten Vorwarn-Zeiten erhöht und Einsatzkräfte bei Entscheidungen im Krisenfall unterstützt werden. Darüber hinaus würden für einen gebietsübergreifenden Hochwasserschutz die gewonnenen Daten interkommunal verfügbar und nutzbar gemacht sowie im Open-Data-Portal-Bayern veröffentlicht. Mit dem Aufbau und Betrieb des Frühwarn-Systems sei die Bieter-Gemeinschaft aus "Okeanos Smart Data Solutions", "Seba Hydrometrie" und "Riwa" beauftragt worden, die sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt habe.
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