Der Augsburger Bischof Meier geht in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit der Frage nach, was christliches Leben eigentlich ausmacht.
(ty/pba) In seinem Hirtenwort zum Beginn der diesjährigen Fastenzeit geht der Augsburger Bischof Bertram Meier der Frage nach, was ein christliches Leben ausmacht. Zentral seien dafür die Orientierung am Vorbild Jesu und an seinem Wort. "Daran erkennt man uns als Christinnen und Christen: Wir machen uns die Worte des Gottes-Sohnes zu eigen und treten in die Spuren Jesu", proklamiert der Oberhirte der Diözese Augsburg, zu der bekanntlich auch Teile des Landkreises Pfaffenhofen gehören.
Die 40 Tage der Fastenzeit seien nicht als exklusive Übung zu verstehen, sondern immer schon eine bewährte Praxis gewesen, "wenn sich ein Mensch klar darüber werden wollte, wie er sein Leben mit Gott verbringen kann". Häufig seien diese physischen und psychischen Belastungsproben dazu genutzt worden, um die ganz persönliche Beziehung zum Schöpfer zu stärken, erklärt der Bischof in seinem Hirtenwort. Daher lade auch er dazu ein, die Fastenzeit zu nutzen, um wieder öfter die Bibel zur Hand zu nehmen und sich von Gottes Wort ansprechen zu lassen. In dieser Zeit, in der "gläubige Menschen sich zunehmend isoliert fühlen", sieht der Bischof vor allem zwei Verhaltensweisen.
Manche würden darauf reagieren, indem sie Gespräche über den Sinn des Lebens, beziehungsweise ihre persönliche Ausrichtung an der Botschaft Jesu und der Lehre der Kirche vermeiden. Wieder andere trügen ihren Glauben offensiv zur Schau und träten kämpferisch-selbstbewusst auf. Kompromisslosigkeit und der Wunsch nach der "guten alten Zeit" würden dann zu einem Schwarz-Weiß-Denken führen, das polarisiere und ausgrenze, befindet Meier. Der Bischof mahnt daher: "Pauschal-Aussagen und Vorurteile oder gar gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit stehen im krassen Gegensatz zum Evangelium."
Der Gottesdienst gehe daher nicht zusammen mit Menschenhass, Neid, Karrieresucht und Machtgier. Christen müssten sich in der Jesus-Nachfolge vielmehr an den zehn Geboten sowie dem Doppel-Gebot der Gottes- und Nächstenliebe orientieren, so Meier. Ein christlich geführtes Leben werde aber erst dann fruchtbar, wenn man sich von der Not und der Bedürftigkeit des Mitmenschen treffen lasse. Dabei sei es, so Bischof Meier, zweitrangig, welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Religion, welchen Bildungsstand oder gesellschaftlichen Status er habe. Jeder Mensch sei ein Mitgeschöpf und vor Gott gleichgestellt.
Die anfängliche Frage, woran man einen Christen erkennen könne, beantwortet er abschließend wie folgt: "Christinnen und Christen erkennt man daran, dass sie keinen Unterschied machen zwischen Hohen und Niedrigen, Armen und Reichen, Gesunden und Kranken, Freunden und Feinden. Sie wissen sich von der Botschaft Jesu aufgefordert, allen Respekt zu erweisen, weil sie alle als Kinder des gleichen Vaters sehen."
Das Hirtenwort des Bischofs wird im Bistum Augsburg an diesem Sonntag in allen Gottesdiensten sowie am Samstagabend in den Vorabend-Messen verlesen und ist ab Samstagmittag auch online auf www.bistum-augsburg.de abrufbar.





