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Einst Bundestags-Kandidat der Linken, will Thomas Schwarz (55) nun für die AfD zum Landrat von Pfaffenhofen gewählt werden. Zugleich bewirbt er sich für den Bürgermeister-Posten in der Stadt Vohburg. 

(ty) Von links nach rechts im Parteien-Spektrum – Thomas Schwarz hat in seinem politischen Leben eine extreme Wendung hingelegt. Im Jahr 2013 kandidierte der heute 55-Jährige aus dem Vohburger Ortsteil Rockolding als Vertreter von "Die Linke" für den Bundestag. Jetzt möchte er für die "Alternative für Deutschland" (AfD) der Landrat von Pfaffenhofen werden. Zugleich strebt Schwarz den Bürgermeister-Posten in Vohburg an. Was hinter dieser Doppel-Kandidatur steckt, wie er den Landkreis voranbringen will und warum für ihn trotz "Brandmauer" an der AfD kein Weg vorbeiführt, das erklärt der ursprünglich aus Amberg stammende Politiker im Gespräch mit unserer Zeitung.

Er habe nie voll auf der Linie der Linken gestanden, sagt Schwarz heute. "Deren Utopien waren mir damals schon suspekt." Trotzdem habe er als deren Bundestags-Kandidat versucht, konservative Werte zu vertreten – was nicht funktioniert habe. Nach nur acht Monaten sei er aus dieser Partei wieder ausgetreten, berichtet der 55-Jährige und schiebt nach, dass das Engagement bei den Linken "der größte Fehler meines Lebens" gewesen sei. Offizielles Mitglied der AfD ist er seit dem vergangenen Jahr. Auslöser für den Eintritt in die national-konservative Partei sei "das Versagen der Ampel-Regierung auf breiter Front", so der Rockoldinger. Die Bürger seien wiederholt getäuscht worden. Statt der versprochenen Erleichterungen sei das Leben stets teurer geworden.

Schwarz ist, wie er betont, überzeugt: "Wer mit gesundem Menschen-Verstand denkt, kommt an der AfD nicht vorbei." Und als politischer Mensch, der er Zeit seines Lebens gewesen sei, habe er sich dazu entschlossen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Doppel-Kandidatur für das Amt des Landrats und zugleich des Bürgermeisters habe er auf sich genommen, um möglichst viele Stimmen für die AfD zu sammeln. Und er gibt sich optimistisch: "In beiden Bereichen sind meine und unsere Chancen relativ gut." Für welchen Posten er sich entscheiden werde, sollte er beide Wahlen gewinnen, könne er heute nicht sagen, so Schwarz. "Das wird sich dann am 8. März zeigen."

Und wie steht er zu Extremisten in seiner Partei, die die AfD mit ultra-nationalen Positionen und Nazi-Parolen immer wieder in Misskredit bringen und Verfassungsschützer auf den Plan rufen? Dieses Thema sei für ihn "nicht relevant", erklärt der 55-Jährige und begründet dies so: Er kenne im Landkreis Pfaffenhofen kein Schwarzes Schaf mit AfD-Parteibuch. Und nur das sei für ihn entscheidend, denn es gehe bei seinem Engagement rein um Kommunalwahlen.

Für seine Arbeit als potenzieller Landrat hat sich Thomas Schwarz fünf politische Schwerpunkte gesetzt. Unter dem Stichwort "Bevölkerung" heißt es in seinem Programm, dass die Bürger des Landkreises dauerhaft ins politische Geschehen eingebunden werden sollen. Das Thema "Brandmauer" – für ihn "der größte Irrsinn, den die Alt-Parteien machen können" – wolle man offen diskutieren. Die AfD werde mit ihm als Landrat mit allen Parteien in offene Gespräche eintreten. Er werde Bürger-Sprechstunden einführen, bei wichtigen Entscheidungen die Meinung der Bevölkerung einholen und transparente Politik machen, verspricht Schwarz. Nichts werde hinter verschlossenen Türen geschehen.

Unter dem zweiten Punkt "Heimat" findet sich der Hochwasserschutz. Der AfD-Mann will dafür sorgen, dass das Wirken der dafür gegründeten Arbeits-Gemeinschaft unter anderem mit einem Kassensturz unter die Lupe genommen wird. Hochwasserschutz müsse da geschaffen werden, wo er wirklich wichtig sei. Dafür müsse man verschiedene Gutachten berücksichtigen. Die Ilmtalklinik in Pfaffenhofen dürfe auf keinen Fall privatisiert werden, denn da gehe es um einen zentralen Punkt der Gesundheits-Vorsorge. Prüfen lassen möchte der 55-Jährige, ob für die B300-geplagten Geisenfelder eine Ortsumfahrung möglich sei. Ebenso auf seiner Agenda steht bezahlbares Wohnen für Jung und Alt. Ein Gymnasium in Manching befürwortet Schwarz, doch müsse geprüft werden, ob nicht die beiden im Kreis bereits bestehenden Gymnasien – Pfaffenhofen und Wolnzach – darunter leiden.

Ein weiterer Ausbau der Windkraft – dritter Punkt in seinem Wahlprogramm – kommt für Schwarz aus unterschiedlichsten Gründen wie dem Schutz des Waldes und bedrohter Tierarten nicht in Frage. Zu vieles an den Anlagen sei, sollten diese später abgebaut werden, nicht recyclebar. Außerdem fehle es an Umsetz-Punkten für die Einspeisung ins Stromnetz.

Unter dem Stichwort "Sicherheit" nennt der Rockoldinger einen grundsätzlichen Kurswechsel bei der Migrations-Politik. Seine Überzeugung: "So wie es jetzt läuft, ist es ein Irrsinn." Migration müsse reduziert, Container-Dörfer wie beispielsweise in Schweitenkirchen oder Rohrbach dauerhaft abgebaut und umgehend eine Arbeitspflicht für Flüchtlingen eingeführt werden. Wie seine Partei tritt Schwarz dafür ein, Geldleistungen für Flüchtlinge zu streichen und Straftäter jeglicher Herkunft konsequent zu verfolgen. Im Wiederholungsfall müsse man mit sofortiger Abschiebung reagieren. Sicherer machen möchte er die Verkehrsmittel im ÖPNV, aber auch Bushaltestellen, Schul- und Gehwege. 

Ein wichtiges Anliegen ist Schwarz auch die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Seine Ansätze: die Direkt-Vermarktung fördern, für bürokratische Erleichterungen bei geplanten Um- oder Neubauten in landwirtschaftlichen Betrieben sorgen, lokale Angebote von Bauern sichtbarer machen, beispielsweise mit digitalen Plattformen, und Feld-Zufahrten sichern. Was das "Mercosur"-Handels-Abkommen angeht, müsse man die Auswirkungen für die heimischen Landwirte im Blick haben und bei Problemen an den zuständigen EU-Stellen Korrekturen erwirken.

Die private Seite von Thomas Schwarz in Kürze: Er ist geschieden und hat ein elfjähriges Kind. Im Jahr 2002 verschlug es ihn von Amberg in den Landkreis Pfaffenhofen, seit viereinhalb Jahren wohnt er in Vohburg-Rockolding. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandels-Kaufmann absolvierte er ein Studium zum politischen Sekretär und war lange als Arbeitnehmer-Vertreter bei verschiedenen Gewerkschaften tätig. Heute managt er als Verkehrs-Sicherungs-Fachmann die Umleitungen für Baustellen.

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